Prozessor-Kaufberatung 2018 – diese CPUs sind empfehlenswert

Den perfekten PC, der zu 100 % den eigenen Ansprüchen, Preisvorstellungen und Nutzungsgewohnheiten entspricht, kann man meist nicht einfach so „von der Stange“ kaufen. Auch heute noch stellen sich viele PC-User deshalb gern einen eigenen Computer aus selbst ausgewählten Hardware-Komponenten zusammen.

Die Auswahl der richtigen Hardware ist dabei nicht immer einfach. In diesem Artikel möchten wir uns deshalb mit den aktuellen Prozessor-Generationen der Hersteller AMD und Intel beschäftigen und ein paar Kaufempfehlungen für typische Nutzungsszenarien geben (Stand: 03/2018). » Direkt zu den empfehlenswerten CPUs springen…

Warum ein guter und passender Prozessor so wichtig ist

Der Prozessor (CPU) ist das Herzstück eines jeden PCs, denn er arbeitet den Programm-Code der Anwendungen ab und übernimmt das Berechnen der Daten. Somit kommt dem Prozessor auch heute noch eine zentrale Bedeutung zu, was die Geschwindigkeit bzw. Leistungsfähigkeit eines Computers im Ganzen betrifft. Aus diesem Grund sollte man sich genau überlegen, welchen Prozessor man sich kauft.

Heutige CPUs unterschieden sich teils deutlich bezüglich ihrer Merkmale (zum Beispiel Anzahl der Rechenkerne, Stromverbrauch, Taktfrequenz oder integrierte Grafik) – und in der Folge daraus auch beim Preis. Der CPU-Markt ist heute also sehr segmentiert, so dass nicht jeder Prozessor für jedes Anwendungszenario gleich gut geeigent ist.

Überlegungen vor dem Kauf / allgemeine Tipps

  • Der Geschwindigkeitszuwachs neuer Prozessor-Generationen ist in den letzten Jahren stets geringer geworden, weshalb man vor einem Kauf genau schauen sollte, ob eine Neuanschaffung überhaupt Sinn macht.
  • Der Trend der eher moderaten Leistungssteigerung der letzten Jahre im Bereich der Prozessoren ist technologie-bedingt und wird deshalb vermutlich anhalten, weshalb man heute ruhig von einer geplanten Nutzungsdauer von 4-5 Jahren ausgehen kann.
  • Da man aus den eben genannten Gründen heute tendenziell seltener einen neuen Prozessor kauft, sollte man dies bei einer Neuanschaffung beachten und die neue CPU entsprechend sorgsam und sinnvoll auswählen.
  • Es macht nur äußerst selten Sinn, auf die Veröffentlichung der nächsten Prozessor-Generation zu warten, da es immer eine nächste (und damit bessere) Generation geben wird.
  • Mit der Markteinführung einer neuen Prozessoren-Generation sinken die Preise der Vorgänger und etwaiger Konkurrenzprodukte meist erheblich.
  • Im Sinne der Zukunftssicherheit sollte man sich dennoch zweimal überlegen, ob man die entsprechenden Produkte kauft, denn nicht selten handelt es sich um veraltete Technik, bei der auch kein sinnvoller Upgrade-Pfad mehr besteht.
  • Wir empfehlen grundsätzlich nur die Boxed-Varianten der Prozessoren zu kaufen, da hier Hersteller-Kühlkomponenten mitgeliefert werden und es keine Probleme bezüglich der Garantie gibt.

Kaufempfehlungen für typische Nutzungsszenarien

Die meisten PCs werden innerhalb typischer Nutzungsszenarien verwendet. Manche PC-Besitzer wollen mit ihrem Rechner zum Beispiel die aktuellsten Spiele zocken oder Videos bearbeiten. Andere hingegen nutzen ihren PC eigentlich nur noch für Büro-Anwendungen und Online-Banking. Wieder andere brauchen einen PC in erster Linie für Streaming-Dienste oder Online-Shopping.

Jedes Nutzungsszenario stellt jeweils andere Anforderungen an die Eigenschaften eines Prozessors, weshalb es die absolut beste CPU, die in allen Bereichen die beste ist, nicht geben kann. Man sollte also vor dem Kauf erst einmal überlegen, wie man seinen PC eigentlich in Zukunft nutzen will und welche Software hauptsächlich zum Einsatz kommen soll.

Office-, Internet- oder Wohnzimmer-PC

Wer seinen PC ausschließlich für Online-Banking, Office, Surfen oder Online-Shopping nutzt, braucht dafür keinen High-End-Prozessor mehr. Mit diesen Standard-Nutzungsszenarien kommen heute selbst Einsteiger-CPUs problemlos zurecht. Hier macht es also keinen Sinn, einen extrem teuren Prozessor zu kaufen, denn die verfügbare Leistung bleibt sonst einfach nur ungenutzt.

Stattdessen sollte man bei einem Prozessor für Büro- oder Internet-PCs hauptsächlich den Preis und den Stromverbrauch im Auge behalten. Das durch die Auswahl eines günstigen Prozessors im Budget eingesparte Geld kann man dann lieber in eine SSD (Solid State Drive) investieren, denn diese beschleunigt zum Beispiel das Hochfahren von Windows oder den Start von Anwendungen merklich, so dass man im Alltag auch tatsächlich etwas davon wahrnimmt.

Unsere Empfehlung: Intel Pentium G4560 ()

Anmerkung: Der günstige Dual-Core Pentium aus der Kaby-Lake-Familie von Intel vereint eine gute Single-Thread-Performance mit niedrigem Stromverbrauch – und das zu einem unschlagbaren Preis. Dank integrierter Grafikeinheit kann man sich sogar eine zusätzliche Grafikkarte sparen. Aufgrund von SMT bzw. Hyper-Threading stehen zudem auch vier Threads zur Verfügung, so dass der Pentium G 4560 aktuell auch in Sachen Multi-Thread-Performance noch recht gut mithalten kann.

AMD tritt in diesem Marktsegment momentan mit den älteren Bristol-Ridge-APUs und den neuen Ryzen-APUs für den Sockel AM4 an. Während die Bristol-Ridge-Prozessoren dem Kaby-Lake-Pentium bei vergleichbaren Preisen leistungstechnisch klar unterlegen sind, sind die neuen Ryzen-APUs zwar besser als der Pentium, kosten dafür allerdings derzeit auch fast doppelt so viel.

Low-Budget-Gaming

Wer mit seinem PC gelegentlich das ein oder andere Spiel zocken möchte, gleichzeitig aber auch nur soviel wie unbedingt nötig ausgeben kann bzw. will, der findet sich im Low-Budget-Gaming-Bereich wieder. In diesem Bereich ist das Budget sehr knapp bemessen, also kommt es vor allem auf ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis und eine trotzdem spieletaugliche Rechen-Power an.

Unsere Empfehlung: Intel Pentium G4560 () bzw. AMD Ryzen 3 2200G ()

Anmerkung: Der Intel Pentium G4560 kostet inzwischen nur noch knapp 50 Euro und verfügt über eine vergleichsweise hohe Single-Thread-Leistung. Die Single-Thread-Leistung hat was den Prozessor betrifft bei den meisten Spielen immer noch den größten Einfluss auf die Performance. Hier steht der Pentium G4560 also – auch im Vergleich zu neueren und viel teureren Prozessoren – ziemlich gut da.

Heute werden die meisten neuen Spiele jedoch auch für den Einsatz auf Mehrkern-Prozessoren hin optimiert, da der Trend bei den Prozessoren unaufhaltsam zu mehr Kernen geht. Entsprechend ist inzwischen auch die Multi-Thread-Leistung eines Prozessors für die Spiele-Performance sehr wichtig geworden. Dank SMT bzw. Hyperthreading verfügt der Pentium G4560 über vier Threads, was derzeit für fast alle Spiele immer noch ausreichend ist.

Im Low-Budget-Bereich ist der Pentium G4560 insgesamt deshalb aktuell fast unschlagbar, wenn man ihn mit einer halbwegs brauchbaren Grafikkarte kombiniert. Eine zusätzliche Grafikkarte ist allerdings auch unbedingt nötig, denn die integrierte Grafikeinheit des Kaby-Lake-Pentiums ist für halbwegs aktuelle Spiele viel zu schwach.

AMD hat vor kurzem die ersten Ryzen-Prozessoren mit integrierter Grafikeinheit und vier echten Kernen ins Rennen geschickt. Diese sind für Low-Budget-Zocker sehr interessant, weil sie bereits für unter 100 Euro echte Quad-Core-Power und einen vergleichsweise leistungsfähigen Grafikchip bieten.

Der AMD Ryzen 3 2200G ist für knapp unter 100 Euro die momentan günstigste Ryzen-APU und ordnet sich in Sachen CPU-Power deutlich über dem Pentium G4560 ein. Wer nur ältere Spiele zockt oder Kompromisse in Sachen Details und Auflösungen machen kann, kommt dank des integrierten Vega-Grafikchips auch ohne zusätzliche Grafikkarte aus, was aus Low-Budget-Sicht natürlich unschlagbar ist.

Einsteiger-Gaming

Für einen vernünftigen Einstieg in die Spiele-Welt ist schon etwas mehr Leistung notwendig, wobei die tatsächlich benötigte Rechen-Power von verschiedenen Faktoren (zum Beispiel Art und Alter der Spiele oder Grafikeinstellungen und Bildschirmauflösung) beeinflusst wird. Mit Sicherheit sagen kann man allerdings, dass die meisten neuen Spiele inzwischen auf mindestens vier CPU-Kerne optimiert werden. Im Hinblick auf die Zukunft sollte es also auch im Einsteiger-Bereich inzwischen mindestens ein Quad-Core-Prozessor sein.

Unsere Empfehlung: Intel Core i3-8100 () bzw. AMD Ryzen 3 2200G ()

Anmerkung: Mit Ryzen hat AMD dafür gesorgt, dass der Quad-Core-Prozessor inzwischen auch im Einsteiger-Bereich zum Standard geworden ist. Sowohl AMD als auch Intel bieten inzwischen für gerade einmal rund 100 Euro echte Quad-Core-Prozessoren an, die sich für den Einsatz in Spiele-PCs sehr gut eignen.

Gerade der Intel Core i3-8100 ist derzeit ein echter Geheimtipp für alle, die ins Gaming einsteigen wollen. Im Zuge der Coffee-Lake-Einführung hat Intel erstmals unter der Bezeichnung „i3“ einen Prozessor mit vier echten Kernen auf den Markt gebracht. Da derzeit nur wenige Spiele deutlich von mehr als vier Kernen profitieren, kann der i3-8100 in Sachen Spiele-Performance zumindest derzeit sehr gut mit zum Teil weitaus teureren Prozessoren mithalten und einige sogar überflügeln.

Auf Seiten von AMD setzt man mit dem Ryzen 3 2200G dagegen. Der Quad-Core-Prozessor ist rein leistungstechnisch etwa 15 % schlechter als der Intel Core i3-8100, kostet dafür aber auch noch einmal ein paar Euro weniger und hat zudem noch eine Grafikeinheit auf Basis der modernen Vega-Architektur integriert.

Mittelklasse-Gaming

Mittelklasse-Gamer wollen mit ihrem Gaming-PC brandaktuelle Titel zocken und erwarten dabei ein Grafikerlebnis, das über dem Konsolen-Niveau angesiedelt ist. Ein ausreichend schneller Prozessor ist neben einer guten Grafikkarte die Voraussetzung dafür. Aus heutiger Sicht sind vier Kerne in diesem Bereich ein absolutes Muss, denn die meisten neuen Spiele sind bereits für vier Kerne oder sogar mehr optimiert.

Unsere Empfehlung: Intel Core i5-8400 () bzw. AMD Ryzen 5 2600 ()

Anmerkung: Dank niedriger Preise sind Sechs-Kern-Prozessoren mittlerweile im Mittelklasse-Segment angekommen. Es gibt bereits Spiele, die aus mehr als vier CPU-Kerne Nutzen ziehen können, und in Zukunft werden es definitiv noch mehr werden. Sowohl Intel als auch AMD sind in diesem Markt-Segment derzeit sehr gut vertreten.

Rein leistungstechnisch ist Intel in Sachen Gaming seit Einführung der neuen Coffee-Lake-Prozessoren wieder deutlicher vorn. Der Intel Core i5-8400 kann bei vergleichbaren Preisen in Spielen im Schnitt ca. 20 % mehr Frames pro Sekunde vorweisen als der Ryzen 5 1600X und ist deshalb unsere klare Empfehlung für die Mittelklasse. Wer unbedingt auf AMD setzen möchte, hat mit dem Ryzen 5 1600X eine solide Alternative.

High-End-Gaming

Beim High-End-Gaming rückt das Budget etwas in den Hintergrund und es geht vor allem um das ultimative Spieleerlebnis bzw. die beste Grafik. Ohne einen High-End-Prozessor ist an beides natürlich nicht zu denken. Festzuhalten bleibt dabei allerdings, dass die CPU-Leistung bei fortschreitenden Ambitionen in Sachen Gaming relativ zur Grafikkarte immer mehr an Bedeutung verliert.

Ab einem gewissen Punkt bringt die reine CPU-Leistung beim Spielen nur noch kaum etwas bis gar nichts mehr, da in den allermeisten Fällen die Leistung der Grafikkarte über die möglichen Grafikeinstellungen und erreichbaren Frames pro Sekunde entscheidet. Dennoch ist ausreichend CPU-Power im High-End-Bereich nach wie vor Pflicht.

Unsere Empfehlung: Intel Core i5-8600K () bzw. Intel Core i7-8700 ()

Anmerkung: Die aktuellen Prozessoren im oberen Preissegment sind inzwischen fast alle so leistungsstark, dass es in den meisten derzeitigen Spielen kaum nennenswerte Unterschiede bei der Performance gibt. Das liegt daran, dass selbst die neuesten Spiele falls überhaupt nur unwesentlich von mehr als sechs CPU-Kernen profitieren. Im High-End-Bereich ist die Spiele-Performance deshalb hauptsächlich durch die GPU-Leistung des Systems beschränkt.

Es macht deshalb derzeit selbst im High-End-Bereich nur äußerst selten Sinn, jeden möglichen Euro in die CPU zu investieren. Kurioserweise rückt somit bei den Prozessoren im High-End-Bereich das Preis-Leistungs-Verhältnis aktuell stärker in den Vordergrund und seit der Einführung von Coffee Lake ist Intel zumindest in Sachen Gaming diesbezüglich wieder führend.

Videobearbeitung, Kompilierung, Workstations

Da diese Aufgaben sehr rechenintensiv sind, geht hier nichts über möglichst viel Rechenleistung. Zudem skaliert die Performance der meisten Anwendungen bei diesen Nutzungsszenarien auch sehr gut mit der Anzahl der Rechenkerne, so dass auch hier gilt: je mehr, desto besser.

Unsere Empfehlung: AMD Ryzen 7 1700X () bzw. AMD Ryzen 7 2700X ()

Anmerkung: Dank AMD gibt es heute Acht-Kern-Prozessoren bereits für unter 300 Euro zu kaufen. Der Ryzen 7 1700X ist bei AMD derzeit wohl das Modell mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis in diesem Marktsegment, denn er bietet acht CPU-Kerne für lediglich ca. 270 Euro.

Konkurrent Intel bietet bei seinen Coffe-Lake-Prozessoren zwar keine acht Kerne, gleicht dies aber durch die starke Single-Thread-Leistung oftmals mehr als wieder aus. Der Intel Core i7-8700 ordnet sich in Sachen Anwendungsleistung deshalb im Schnitt ganz knapp vor dem Ryzen-Acht-Kerner ein, kostet dafür aber auch minimal mehr.

Abschließend sei hier noch angemerkt, dass für alle, die noch mehr Rechenleistung bzw. noch mehr CPU-Kerne benötigen, sowohl bei AMD mit Threadripper als auch bei Intel mit Skylake-X noch entsprechende Prozessoren zur Verfügung stehen. Diese kosten dann natürlich aber wesentlich mehr, so dass man für ein paar Prozent mehr Leistung schnell das Doppelte oder Dreifache bezahlt, was sich aus unserer Sicht nur in Spezialsituationen wirklich lohnt.

Empfehlenswerte Prozessoren nach Budget

BudgetEmpfohlener ProzessorAlternative
bis 100 Euro AMD Ryzen 3 2200G
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Intel Core i3-8100
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bis 150 Euro AMD Ryzen 5 1600
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AMD Ryzen 5 2400G
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bis 250 Euro AMD Ryzen 5 2600X
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Intel Core i5-8400
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bis 350 Euro AMD Ryzen 7 2700X
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Intel Core i7-8700K
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Anmerkung zum Schluss: Unsere Kaufberatung für Prozessoren wurde zuletzt im März 2018 aktualisiert. Es kann sein, dass sich inzwischen zum Beispiel aufgrund von Preis-Veränderungen auch unsere Empfehlungen verändert haben. Wir bemühen uns, den Artikel deshalb regelmäßig zu aktualisieren.

Prozessor-Kaufberatung 2018 – diese CPUs sind empfehlenswert
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