Gaming-PC selber bauen

Die Anzahl der Menschen, die in ihrer Freizeit Computerspiele spielen, wächst und wächst. In diesem Artikel möchten wir uns deshalb damit befassen, wie man einen Gaming-PC selber bauen kann. Dazu nehmen wir die einzelnen Hardware-Komponenten, die entscheidend für eine gute Spiele-Performance sind, genauer unter die Lupe und erklären, was man bei der Zusammenstellung beachten sollte.

Spiele-PC selber bauen: Diese Hardware wird benötigt

Die Performance eines Spiele-PCs steht und fällt mit der verbauten Hardware. Wer jedes Quäntchen Leistung aus seinem Gaming-PC herausholen möchte, sollte bei der Auswahl der Hardware-Komponenten entsprechend mit Bedacht vorgehen. Nur so ist zudem gewährleistet, dass man möglichst lange Freude an seinem Spiele-Rechner hat. Es wäre doch schade, wenn das frisch zusammengebaute System bereits nach einem halben Jahr wieder veraltet ist.

Prozessor

Der Prozessor, der auch als CPU (Central Processing Unit) bezeichnet wird, ist die zentrale Recheneinheit eines PCs. Er führt den Programmcode der Anwendungen aus und bestimmt damit hauptsächlich, wie leistungsstark ein PC ist. Dies ist grundsätzlich auch bei Gaming-PCs der Fall, auch wenn es hier ein paar Einschränkungen gibt, auf die wir später noch eingehen werden. Festzuhalten bleibt: Wer auch brandneue Spiele flüssig zocken will, der braucht einen modernen und leistungsstarken Prozessor in seinem Gaming-PC.

Prozessoren bestehen heute üblicherweise aus mehreren Rechenkernen. Dies hat den Vorteil, dass Programme in einzelne Teilaufgaben zerlegt und dann von den verschiedenen Rechenkernen zur gleichen Zeit parallel abgearbeitet werden kann. Dadurch lässt sich die Ausführung der Programme teils erheblich beschleunigen. Zumindest sofern der Programmcode für entsprechende Prozessoren mit mehreren Kernen optimiert wurde. Dies ist bei den allermeisten neuen Spielen inzwischen der Fall.

Heute kann man sagen, dass Prozessoren mit vier Rechenkernen – sogenannte Quad-Core-CPUs – im Desktop-Bereich der Standard sind. Aktuelle Spiele sind deshalb so programmiert, dass sie nur noch mit vier oder mehr Rechenkernen (bzw. Threads) wirklich flüssig laufen. Wer heute also einen Prozessor für seinen Gaming-PC sucht, der sollte somit mindestens zu einem aktuellen Quad-Core greifen.

Der Trend bei den Prozessoren-Herstellern geht allerdings eindeutig hin zu noch mehr Rechenkernen und so wird es nicht mehr lange dauern, bis sechs Rechenkerne der neue Standard sein werden. Wer möglichst lange Spaß an seinem Gaming-PC haben möchte, sollte dieser unausweichlichen Entwicklung Rechnung tragen und eventuell heute bereits einen Prozessor mit sechs Rechenkernen (Hexa-Core-CPU) wählen.

Verschwiegen werden sollte an dieser Stelle allerdings nicht, dass es derzeit nur sehr wenige Spiele gibt, die signifikant von sechs oder gar noch mehr CPU-Kernen profitieren. Man kann davon ausgehen, dass dies auch noch eine Weile der Fall sein wird, denn der zusätzliche Aufwand, den die Spiele-Programmierer für die Optimierung der Spiele auf sechs oder mehr Rechenkerne betreiben müssen, ist sehr hoch.

Aus diesem Grund wird zumindest auf absehbare Zeit die Single-Thread-Leistung des Prozessors auch weiterhin einen erheblichen Einfluss auf die Performance eines Gaming-PCs haben. In diesem Bereich ist Intel gegenüber AMD noch immer deutlich in Führung, da Intel-CPUs im Durchschnitt wesentlich höher takten können als die Konkurrenz. Verändern wird sich diese Situation frühestens mit Einführung der zweiten Generation der Ryzen-Chips, realistisch gesehen wahrscheinlich jedoch erst mit Zen2 (ab 2019).

Weitere Informationen zur Auswahl der passenden CPU gibt es in unserer Kaufberatung für Prozessoren.

Mainboard

Das Mainboard bzw. Motherboard ist die Hauptplatine eines Computers und sorgt sozusagen dafür, dass alle Hardware-Komponenten miteinander verbunden sind und somit aus den ganzen Einzelteilen ein System wird. Der Einfluss des Mainboards auf die Spieleleistung eines Gaming-PCs ist äußerst gering, so dass man diesen Punkt in der Praxis mehr oder weniger vernachlässigen kann.

Die Auswahl eines passenden Mainboards für einen Gaming-PC ist grundsätzlich durch den gewählten Prozessor eingeschränkt, denn dieser muss natürlich auf den Sockel des Mainboards passen und von dessen Chipsatz unterstützt werden. Ansonsten hat man bei der Auswahl allerdings freie Hand, denn wesentliche Leistungsunterschiede zwischen einzelnen Mainboards gibt es im Normalfall nicht.

Größere Unterschiede gibt es unterdessen sowohl bei der Ausstattung bzw. den Anschlussmöglichkeiten als auch bei den unterstützten Funktionen (z.B. Übertakten). Hier sollte man bei der Auswahl in erster Linie darauf schauen, was man wirklich benötigt oder aber in absehbarer Zukunft eventuell benötigen könnte. Wer zum Beispiel seinen Prozessor zukünftig eventuell übertakten möchte, um den nächsten Systemwechsl noch etwas hinauszuzögern, der sollte direkt zu einem Mainboard greifen, das Übertakten auch tatsächlich ermöglicht.

Grafikkarte

Grafikkarten sind in Spiele-PCs für das Rendern (Berechnen) und die Ausgabe der Grafik auf den Bildschirm verantwortlich. Aus diesem Grund hat die Grafikkarte eines Gaming-PCs den größten Einfluss auf seine Spieleleistung. Wie groß der Einfluss genau ist, hängt in erster Linie von der Art der Spiele, der verwendeten Bildschirmauflösung und den Grafikeinstellungen ab. Als Faustregel kann man festhalten: Je höher die Auflösung und je detailreicher die Grafik, desto leistungsfähiger muss die Grafikkarte sein, damit ein Spiel flüssig läuft.

Heute ist es so, dass die Bildschirmauflösungen so groß, die Grafiken so detailreich und die Berechnungen für Effekte so komplex geworden sind, dass aktuelle Blockbuster-Spiele selbst die leistungsstärksten Grafikchips an ihre Grenzen bringen können. Im Gegensatz dazu tritt die Rechenleistung der CPU derzeit immer mehr in den Hintergrund, so dass bei einigen aktuellen Spielen High-End-Grafikkarten voll ausgelastet werden, während sich bereits Mittelklasse-Prozessoren gleichzeitig teilweise langweilen.

Grundsätzlich kann man also sagen, dass die Grafikkarte die derzeit wichtigste Hardware-Komponente eines Gaming-PCs darstellt, da sie in Spielen fast immer den sogenannten „Flaschenhals“ darstellt und den Rest des Systems ausbremst. Aus diesem Grund sollte der größte Anteil des Budgets für einen Gaming-PC in dessen Grafikleistung investiert werden. Dies ist auch für die Zukunftssicherheit wichtig, denn die meisten Spieleentwickler streben ein immer realistischer werdendes Grafikerlebnis an, für das natürlich auch immer mehr Grafikleistung benötigt wird.

Weitere Informationen zur Auswahl der passenden Grafikkarte gibt es in unserer Kaufberatung für Grafikkarten.

Netzteil

Das Netzteil sorgt dafür, dass alle Hardware-Komponenten eines PCs stets mit ausreichend Strom versorgt werden können. Obwohl das Netzteil keinen Einfluss auf die Leistung eines Computers hat, sollte man diese wichtige Komponente nicht vernachlässigen. Gerade Gaming-PCs benötigen beim Zocken eine Menge Strom, denn Grafikkarte, Prozessor und Co. laufen oft am Leistungslimit und wollen entsprechend mit Energie versorgt werden. Das Netzteil für einen Gaming-PC sollte also vor allem ausreichend Leistung bieten.

Wieviel Watt Leistung das Netzteil zuverlässig zur Verfügung stellen können muss, ist im Detail von den verbauten Hardware-Komponenten abhängig. Als Faustregel gilt: Je leistungsfähiger die Hardware und je größer die Anzahl der Komponenten, desto höher der Stromverbrauch des Systems. Zur groben Orientierung kann man festhalten, dass ein Gaming-PC für Einsteiger mindestens über ein 400-Watt-Netzteil verfügen sollte, während bei einem High-End-PC auch mal 600 Watt nötig sind.

Netzteile für Computer gibt es heute wie Sand am Meer und auch die Preisspanne ist enorm. Die auf den ersten Blick größten Unterschiede neben der Leistung findet man bei der Effizienzklasse. Diese sagt etwas über den Wirkungsgrad des Netzteils aus, denn beim Umwandeln des 230-Volt-Stroms aus der Steckdose kommt es zu Leistungsverlusten. In anderen Worten: Netzteile mit einer niedrigen Effizienzklasse arbeiten weniger effizient und verbrauchen deshalb mehr Strom.

Ob ein Netzteil gut und zuverlässig seinen Dienst tut, ist jedoch nicht nur von den auf den ersten Blick erkennbaren Leistungs- und Effizienz-Angaben abhängig, sondern auch von der Qualität seiner Bauteile. Hier sollte man nicht am falschen Ende sparen, denn wenn ein Netzteil kaputt geht, dann kann es auch ganz schnell mal weitere Komponenten mit in den Tod reißen. Aus diesem Grund sollte man einen Bogen um Billig-Netzteile aus Fernost machen, denn deren niedriger Preis kommt meist durch den Verbau von minderwertigen Bauteilen zustande.

Arbeitsspeicher

Der Arbeitsspeicher eines Computers wird auch als Random Access Memory (RAM) bezeichnet. RAM ist in Sachen Zugriffszeiten und Datenübertragungsraten deutlich schneller als zum Beispiel eine Festplatte und wird deshalb als schneller flüchtiger Speicher vom Betriebssystem und den Programmen genutzt. Der Arbeitsspeicher eines Gaming-PCs hat somit einen direkten, wenn auch eher geringen Einfluss auf seine Spieleleistung (sofern man die integrierte Grafikeinheit des Prozessors nicht nutzt).

RAM-Bausteine unterscheiden sich hauptsächlich in Sachen Speichergröße und Speichertakt bzw. Datenübertragungsrate. In der Praxis hat sich gezeigt, dass mehr Arbeitsspeicher in Spielen üblicherweise einen größeren Einfluss auf die Spiele-Performance hat als ein höherer Speichertakt. Oder anders ausgedrückt: 16 GB DDR4-2400 sind in den meisten Fällen besser als 8 GB DDR4-2933.

Neben den Grafikkarten zählt RAM derzeit allerdings zu den vergleichsweise teuren Hardware-Komponenten, so dass man gerade bei kleinen Budgets dazu geneigt ist, beim Arbeitsspeicher zu sparen. Beachten sollte man dabei jedoch, dass bei Gaming-PCs 8 GB RAM inzwischen zum absoluten Standard geworden sind und viele neue Spiele sich heute auch nicht mehr mit weniger zufrieden geben. Wenn es das Budget hergibt, sollte man deshalb direkt zu 16 GB greifen.

Datenträger

Als Datenträger kommen auch bei einem Gaming-PC sowohl die klassische Festpplatte (HDD) als auch das moderne Solid State Drive (SSD) infrage. Einen direkten Einfluss auf die Spieleleistung des PCs in Form der maximal erreichbaren Frames pro Sekunde gibt es zwar nicht, da diese fast ausschließlich durch den Prozessor bzw. die Grafikkarte bestimmt werden. Dennoch kann sich ein SSD im Gaming-PC positiv auf das Spieleerlebnis auswirken.

Das liegt daran, dass SSDs gegenüber Festplatten über deutlich niedrigere Zugriffszeiten, dafür aber signifikant höhere Datenübertragungsraten verfügen. Dadurch werden die Ladezeiten in Spielen erheblich verkürzt, was sehr viel Warterei erspart. Einen weiteren positiven Effekt können SSDs auf sogenannte „Nachladeruckler“ haben. Diese entstehen zum Beispiel, wenn ein Spiel dynamisch Daten vom Datenträger nachladen muss und es dadurch zu kurzen Verzögerungen kommt, die zu einem wahrgenommenen Bildruckeln führen.

Sofern das Budget es zulässt, sollte man also auch bei einem Gaming-PC unbedingt ein schnelles Solid State Drive verbauen. SSDs mit einer Kapazität von ca. 500 GB und mehr sind inzwischen halbwegs bezahlbar geworden, so dass der Speicherplatz oftmals bereits für das Betriebssystem und ein paar Spiele ausreicht. Falls mehr Speicherplatz benötigt wird, ist es meist ratsam eine zusätliche Festplatte als sogenanntes „Datengrab“ einzubauen, denn die Kosten pro MB sind bei Festplatten deutlich geringer.

Gehäuse

Die ganzen Hardware-Komponenten eines PCs müssen natürlich irgendwo untergebracht werden. Zu diesem Zweck dient das PC-Gehäuse. Gehäuse gibt es heute in allen möglichen Farben und Formen, so dass man eine riesige Auswahl hat und seine persönlichen Geschmacksvorstellungen bei der Auswahl ausleben kann. Im Vordergrund stehen also vor allem die Maße, das Design oder die Schallisolierung. Wichtig ist natürlich aber auch, dass das Mainboard auch in das Gehäuse passt.

Einen direkten Einfluss auf die Leistung eines Gaming-PCs hat das Gehäuse selbstverständlich nicht. Wenn das Gehäuse jedoch zum Beispiel zu klein ist, kann es allerdings indirekt doch zu Leistungseinbußen führen, weil bestimmte Komponenten aufgrund von schlechter Wärmeabfuhr ihre Leistung automatisch herunterdrosseln, um ihre Überhitzung zu verhindern. Dies sollte man bei der Auswahl des passenden Gehäuses bedenken.

Fazit

Spiele-PCs bieten gegenüber Konsolen einige Vorteile, so dass viele Gamer nach wie vor lieber auf den PC zocken. Wer sich anhand der eigenen Anforderungen einen Gaming-PC selber bauen möchte, der kann diesen nicht nur nach seinen individuellen Wünschen zusammenstellen, sondern gleichzeitig auch noch eine Menge Geld sparen. In diesem Artikel haben wir deshalb erklärt, welche Hardware-Komponenten man dafür benötigt und was man bei deren Auswahl beachten sollte.

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