Kryptowährungen für Anfänger: Diese 5 wichtigsten Alternativen zu Bitcoin sollte jeder kennen

Bitcoin kennt inzwischen wohl so ziemlich jeder. Dass es neben Bitcoin mittlerweile aber auch über 1000 weitere Kryptowährungen gibt, das ist vielen noch immer unbekannt. In diesem vierten Teil unserer Artikelserie „Kryptowährungen für Anfänger“ wollen wir deshalb die 5 wichtigsten Bitcoin-Alternativen vorstellen.

Ethereum

Mit einer Marktkapitalisierung von 56 Milliarden US-Dollar (Stand: März 2018) ist Ethereum, das 2013 von Vitalik Buterin erstmals in einem White Paper vorgestellt wurde, das derzeit zweitpopulärste Kryptowährungssystem hinter Bitcoin (134 Milliarden US-Dollar). Bei Ethereum handelt es sich streng genommen eigentlich nicht um eine Kryptowährung an sich, sondern eher um ein verteiltes System zur Gestaltung und Abwicklung von sogenannten „Smart Contracts“.

Diese Smart Contracts sind vereinfacht gesagt Protokolle, die Verträge in all ihren Details in Form von Programm-Code digital nachbilden sollen. Smart Contracts können (unter anderem) mit Hilfe der von Ethereum zur Verfügung gestellten Programmiersprache Solidity erstellt werden. Die Smart Contracts werden dann in der dezentralen Blockchain gespeichert und sind damit vor Manipulationen und sonstigen nachträglichen Veränderungen geschützt.

Auf Basis der Smart Contracts und der Ethereum-Blockchain können sogenannte „DApps“ (= decentralized Apps) programmiert werden. Diese dezentralisierten Programme werden im Ethereum-Netzwerk ausgeführt und profitieren somit von allen konzeptionellen Vorteilen, die die Blockchain-Technologie gegenüber der klassischen Client-Server-Architektur bietet. Dazu zählen vor allem eine höhere Fehlertoleranz und ein besserer Schutz gegen Manipulationsversuche und Ausfälle.

Die Ausführung der DApps erfolgt dabei jedoch nicht umsonst, denn die dafür nötigen Ressourcen müssen als sogenanntes „Gas“ (= Transaktionsgebühren) quasi erst erworben werden. Dies ist bei Ethereum über das offizielle Token, das den Namen „Ether“ trägt, möglich. Innerhalb von Ethereum stellen somit Ether die eigentliche Währung dar, in der Praxis werden die Begriffe Ethereum und Ether jedoch häufig synonym verwendet.

Ethereum

Webseite: Ethereum.org
Erfinder: Vitalik Buterin
Forum: Forum.Ethereum.org
Source Code: GitHub.com
Blockchain Explorer: EtherScan.io

Ripple

Neben Ethereum ist Ripple eine weitere vielversprechende Alternative zu Bitcoin. Mit einer Marktkapitalisierung von 25 Milliarden US-Dollar (Stand: März 2018) ist Ripple derzeit das drittpopulärste Kryptowährungssystem der Welt. Bereits im Jahr 2004, also lange bevor Satoshi Nakamoto Bitcoin der Weltöffentlichkeit vorstellte, hatte der kanadische Web-Entwickler Ryan Fugger die Idee eines sicheren und dezentralen Online-Zahlungssystems. 2005 startete er auf dieser Idee aufbauend mit Ripplepay den Vorgänger des heutigen Ripple-Projekts.

Der große Erfolg blieb jedoch vorerst aus. 2012 übergab Fugger das Projekt dann an eine Investorengruppe, die sich unter dem Namen OpenCoin Inc. zusammenschloss. OpenCoin entwickelte daraufhin auf Basis von Ripplepay ein neues Zahlungsprotokoll, das den Namen „Ripple Transaction Protocol“ bekam. Nachdem OpenCoin 2013 weitere Investoren und Partner mit an Bord holen konnte, benannte sich das Unternehmen in Ripple Labs Inc. um. Zur gleichen Zeit wurde die Ripple Software erstmals für alle kostenlos als Open Source veröffentlicht.

Ripple versteht sich als verteilte Handelsplattform, die auf einem dezentralen Zahlungssystem und einem integrierten Devisenmarkt aufbaut. Das Ziel von Ripple ist es, ein globales Handelsnetzwerk für die Finanzbranche zu erschaffen, das die Vorteile des Bitcoin-Ansatzes (dezentral, sicher, schnell, niedrige Transaktionsgebühren) bietet. Technisch gesehen ist Ripple Bitcoin deshalb nicht unähnlich, denn auch Ripple ist als dezentrales Peer-to-Peer-Netzwerk konzipiert und setzt auf eine öffentlich einsehbare Blockchain.

Während die Blockchain bei Bitcoin jdoch als reines Kassenbuch für Bitcoin-Transaktionen fungiert, kann man sie bei Ripple eher als eine Art Register für Schuldscheine bezeichnen. Diese Schuldscheine wiederum sind bei Ripple nicht nur auf die zahlungssysteminterne Währung mit dem Namen XRP begrenzt, sondern können auch andere Währungen und Werte wie zum Beispiel Dollar oder Euro repräsentieren. Über spezielle „Gateways“ wird die Verrechnung solcher Schuldscheine außerhalb des Ripple-Netzwerks realisiert.

Einer weiterer wichtiger Unterschied im Vergleich zu Bitcoin ist die Art und Weise, wie bei Ripple die Transaktionen innerhalb des Netzwerks verarbeitet werden. Während Bitcoin diesbezüglich auf das zeit- und energieintensive Mining setzt, kommt Ripple ganz ohne Mining aus. In der Folge schont Ripple nicht nur die Umwelt, sondern kann auch deutlich mehr Transaktionen pro Sekunde verarbeiten, als das bei Bitcoin derzeit der Fall ist.

Ripple

Webseite: Ripple.com
Erfinder: Ryan Fugger
Forum: XRPChat.com
Source Code: GitHub.com
Blockchain Explorer: XRP Charts

Bitcoin Cash

Mit einer Marktkapitalisierung von 16 Milliarden US-Dollar (Stand: März 2018) ist Bitcoin Cash derzeit die viertpopulärste Kryptowährung weltweit. Bitcoin Cash entstand am 1. August 2017 durch einen sogenannten Hard Fork (= Abspaltung) vom großen Bruder Bitcoin. Hintergrund dieses Hard Forks war, dass das Bitcoin-Netzwerk im Zuge des Bitcoin-Hypes mit gewissen technischen Limitierungen zu kämpfen hatte und man sich unter den Verantwortlichen nicht auf einen einheitlichen Lösungsansatz einigen konnte.

Als Satoshi Nakamoto sich 2010 an die Implementierung von Bitcoin setzte, ging er von einer anfangs eher kleinen Nutzerbasis und einer geringen Anzahl an Bitcoin-Transaktionen aus. Entsprechend legte er im Bitcoin-Code eine Blockgröße von 1 MB fest. Dies hatte zur Folge, dass innerhalb des gesamten Bitcoin-Netzwerks maximal 7 Transaktionen pro Sekunde durchgeführt werden konnten. Für die damalige Zeit war dieses Limit auch völlig ausreichend.

Die stetig zunehmende Verbreitung von Bitcoin sorgte allerdings irgendwann zwangsweise dafür, dass das Bitcoin-Netzwerk beim Abarbeiten der Transaktionen immer öfter an das konzeptbedingte Limit kam. Diese Überlastung des Netzwerks führte schließlich zu langen Wartezeiten bei den einzelnen Transaktionen und sorgte zudem zusätzlich auch noch für deutlich höhere Transaktionsgebühren. Bitcoin wurde damit als schnelles Zahlungssystem gerade für kleinere Beträge zeitweise völlig unbrauchbar.

In der Bitcoin-Community gab es unterschiedliche Ansichten darüber, welche Lösungsmöglichkeiten für diese Problematik am besten geeignet wären. Ein Teil der Verantwortlichen wollte das Limit für die Bitcoin-Blockgröße einfach von 1 MB auf 8 MB erhöhen und die Probleme damit in den Griff bekommen. Andere favorisierten das Beibehalten der alten Blockgröße und wollten die Problematik anders angehen.

Auch nach langanhaltenden Diskussionen konnte man sich innerhalb der Community nicht auf einen einheitlichen Weg einigen. Die Verfechter der Erhöhung des Blockgrößen-Limits setzten deshalb ihren eigenen durch und es kam in der Folge zu einem sogenannten Hard Fork. Dabei entstand am 1. August 2017 aus der originalen Bitcoin-Blockchain noch eine zweite Version, die heute als Bitcoin Cash bezeichnet wird.

Bitcoin Cash

Webseite: BitcoinCash.org
Erfinder: Satoshi Nakamoto
Forum:
Source Code: GitHub.com
Blockchain Explorer: BlockChair.com

Litecoin

Mit einer Marktkapitalisierung von 8 Milliarden US-Dollar (Stand: März 2018) ist Litecoin derzeit die fünftpopulärste Kryptowährung überhaupt. Die Kryptowährung wurde am 7. Oktober 2011 vom ehemaligen Google-Mitarbeiter Charlie Lee auf GitHub.com veröffentlicht und war von ihm als Alternative zu Bitcoin gedacht, da er ein paar konzeptionelle Schwachpunkte beim Bitcoin auszumachen glaubte. Ähnlich wie bei Bitcoin Cash kann man auch Litecoin deshalb quasi als kleinen Bruder von Bitcoin bezeichnen.

Litecoin ist Bitcoin technisch gesehen heute noch sehr ähnlich und ging ursprünglich sogar aus dem Bitcoin hervor. Anfangs war der Programm-Code beider Kryptowährungen deshalb fast gleich. Die wesentlichen Unterschiede lagen darin, dass bei Litecoin die durchschnittliche Zeit zwischen dem Festschreiben neuer Blöcke nur ein Viertel (= 2,5 Minuten) der Zeit wie im Bitcoin-Netzwerk (= 10 Minuten) beträgt. Als Ausgleich dafür wurde die maximale Anzahl an Litecoins im Vergleich zu Bitcoin vervierfacht.

Ein weiterer großer Unterschied zu Bitcoin ist der verwendete Proof-of-work-Algorithmus. Während der große Bruder diesbezüglich auf SHA256 setzt, kommt bei Litecoin scrypt zum Einsatz. Dies hat den Hintergrund, dass man Bitcoins mit spezieller Mining-Hardware, sogenannten ASICs, am besten minen kann. Solche Spezial-Hardware besitzen allerdings nur wenige Miner, weshalb im Bitcoin-Netzwerk große Teile der Rechenleistung auf einige wenige Akteure konzentriert sind. Dies widerspricht allerdings dem Prinzip der Dezentralisierung.

Hier setzt scrypt an, denn diese sogenannte Hash-Funktion wurde von Anfang an so konzipiert, dass sie eher weniger rechenintensiv und dafür aber sehr speicherintensiv ist. Diese Eigenschaften führen dazu, dass sich auf das Litecoin-Mining optimierte Spezial-Hardware wirtschaftlich gesehen nicht lohnt, da schneller Speicher vergleichsweise teuer ist. Aus diesem Grund kann man Litecoin heute noch mit handelsüblicher PC-Hardware minen, was dafür sorgt, dass die Rechenleistung im Litecoin-Netzwerk auf viele unterschiedliche Miner verteilt bleibt.

Litecoin

Webseite: Litecoin.com
Erfinder: Charlie Lee
Forum: LitecoinTalk.io
Source Code: GitHub.com
Blockchain Explorer: Explorer.Litecoin.net

NEO

Mit einer Marktkapitalisierung von 4 Milliarden US-Dollar (Stand: März 2018) ist NEO derzeit die sechstpopulärste Kryptowährung der Welt. Das Kryptowährungssystem wurde 2014 vom Chinesen Da Hongfei unter dem Namen AntShares gestartet und 2017 in NEO umbenannt. Das Projekt versteht sich als Plattform zur Gestaltung und Verwaltung von „digitalen Assets“ und „Smart Contracts“ auf Basis von Blockchain-Technologien. Aufgrund der konzeptionellen Ähnlichkeiten wird NEO oft als das Ethereum Chinas bezeichnet.

Es gibt jedoch auch ein paar Unterschiede. Hier ist als erstes das Mining zu nennen. Ethereum setzt derzeit noch auf einen sogenannten Proof-of-work-Algorithmus zur Verwaltung der Blockchain und dem Erschaffen neuer Währungseinheiten (= Mining). Der Nachteil ist hier, dass dieses Verfahren sowohl zeit- als auch energieintensiv ist. NEO ist hier schon einen Schritt weiter und setzt auf einen sogenannten Proof-of-stake-Algorithmus, der das Thema Mining bei NEO überflüssig macht.

Ein weiterer wichtiger Unterschied zu Ethereum ist die Art und Weise, wie die sogenannten Smart Contracts bzw. DApps erstellt werden können. Bei Ethereum ist dafür die eigens geschaffene Programmiersprache Solidify gedacht. Diese ist derzeit relativ unbekannt und muss deshalb von den meisten Programmiereren erst erlernt werden. Bei NEO wiederum ist dies nicht nötig, denn ein Compiler ist in der Lage, populäre Programmiersprachen wie C#, Java, Python oder Go entsprechend zu übersetzen.

NEO

Webseite: NEO.org
Erfinder: Da Hongfei
Forum:
Source Code: GitHub.com
Blockchain Explorer: NEOTracker.io

Fazit

Bitcoin ist heute so ziemlich jedem geläufig. Das liegt daran, dass Bitcoin die erste Kryptowährung war und damit den Stein in Sachen Krypto-Hype erst ins Rollen gebracht hat. Die Wertsteigerung bei Bitcoin in den letzten Monaten und Jahren war immens. Die Praxis hat während dieser Zeit allerdings auch gezeigt, dass Bitcoin nicht die perfekte Kryptowährung ist und tatsächlich auch einige Schwächen besitzt.

Inzwischen gibt es über 1000 alternative Kryptowährungen, die dem Platzhirsch Bitcoin Konkurrenz machen wollen. Die meisten davon werden bei diesem Vorhaben ziemlich sicher scheitern, aber es gibt bereits ein paar wenige Kandidaten, die Bitcoin als populärste Kryptowährung einmal ablösen könnten. Die aktuell wichtigsten Bitcoin-Alternativen haben wir in diesem vierten Teil unserer Artikelserie „Kryotowährungen für Anfänger“ vorgestellt.

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